Der Anteil von Seal- und Silentreifen am Altreifenaufkommen ist laut Einschätzung der ZARE-Partner auf rund 4 Prozent gestiegen, was einer Menge von ca. 2.400 Tonnen jährlich entspricht – mit steigender Tendenz.
Die zunehmende Verbreitung stellt für die fach- und umweltgerechte Entsorgung ein wachsendes Problem dar, da die selbstabdichtenden oder schallgedämpften Reifen nur mit erhöhtem Aufwand und besonderen Maßnahmen recycelt werden können. Sealreifen können zudem nicht runderneuert werden. Sie enthalten eine viskose, schwarz eingefärbte Dichtmasse, die sich bei Durchstichen selbstständig in die Schadstelle legt. Diese Reifen lassen sich nicht runderneuern und nur mir Einschränkungen sowie deutlichem Mehraufwand stofflich verwerten. Die Dichtmasse ist äußerlich kaum zu erkennen, sodass eine manuelle und aufwändige Sortierung erforderlich ist. Denn sie kann die Zerkleinerungswerkzeuge von Recyclinganlagen verkleben und verschmutzen. Zudem besteht erhöhte Brandgefahr – Sealreifen können sich in Schreddern selbst entzünden, wenn sie nicht rechtzeitig identifiziert werden. Silentreifen, die durch spezielle Schaumeinlagen Geräusche dämpfen sollen, bieten keinen echten Sicherheitsvorteil – vielmehr sparen Autohersteller damit an Schalldämmung im Innenraum. Die Reifenentsorgung ist durch die zusätzlichen Materialien deutlich aufwändiger und teurer.
Wichtig zu wissen: Seal- und Silentreifen spielen im Ersatzgeschäft kaum eine Rolle, sondern werden vorrangig in der Erstausrüstung ab Werk verbaut. Der vermeintliche Vorteil verpufft also spätestens nach dem ersten Reifenleben – etwa nach 40.000 Kilometern oder schon beim ersten Wechsel auf Winterreifen. Der Autofahrer weiß das jedoch meist nicht. Noch kritischer: Autosicherheitsexperten warnen, dass der suggerierte Sicherheitsgewinn trügerisch ist – viele Fahrer vernachlässigen dadurch die regelmäßige Reifenkontrolle.
Einige Entsorgungsfachbetriebe nehmen Sealreifen inzwischen gar nicht mehr an. Die ZARE-Partner fordern daher eine verpflichtende und eindeutige Kennzeichnung dieser Reifen durch die Hersteller, um Störungen oder gar Brände im Recyclingprozess zu vermeiden. Die Initiative ZARE hat es sich zum Ziel gesetzt, Reifenhändler und Kfz-Werkstätten stärker für die Notwendigkeit einer sorgfältigen Trennung von Seal- und Silentreifen zu sensibilisieren und ihre Kunden umfassend über deren negative ökologische und ökonomische Auswirkungen aufzuklären.
Für Fachhandel und Werkstätten verursachen Seal- und Silentreifen nicht nur mehr Aufwand bei der Entsorgung, sondern auch beim Service. Prinzipiell sind Reparaturen von diesen Reifentypen gesetzlich zugelassen. Wie bei jeder Reifenreparatur sind die Richtlinie zur Instandsetzung von Luftreifen (StVZO § 36) die rechtlichen Voraussetzungen für den gewerblichen Reparaturbetrieb sowie generell die Vorgaben der Reifen- und Reparaturmaterialhersteller zu beachten. Die Reparatur von Seal- und Silentreifen ist jedoch für Werkstätten oft mit erhöhtem Aufwand und besonderen Maßnahmen verbunden. Die Beurteilung eventuell vorhandener Strukturschäden durch Plattrollen ist für Werkstätten oft schwierig. Bei der Reparatur eines Silentreifens im Laufflächenbereich muss zudem die Schaumstoffeinlage und die evtl. vorhandene (Rest-) Klebstoffschicht im Bereich der Punktierung im erforderlichen Maße (bis ca. 5 mm über den Rand des Reparaturpflasters hinaus) entfernt werden. Standardreifen ohne Dichtmasse bzw. Schaumstoffschicht können hingegen in aller Regel ebenso schnell wie kostengünstig repariert und weitergefahren werden.
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Foto: Kurz Karkassenhandel GmbH