In Deutschland fallen jährlich über eine halbe Million Tonnen Altreifen an. Doch nach jüngst veröffentlichten Zahlen des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie (wdk) entgehen davon rund 100.000 Tonnen dem heimischen Recyclingsystem. Die Initiative ZARE (Zertifizierte Altreifen Entsorger) schlägt Alarm und fordert eine gesetzliche Regelung zur Mengenerfassung und klare Verantwortlichkeiten für alle Beteiligten.
Die Zahl ist alarmierend: Jeder fünfte Altreifen in Deutschland bleibt laut wdk außerhalb des offiziellen Recyclingsystems. Die betroffenen Mengen werden, obwohl es sich um Abfälle handelt, häufig als Gebrauchtreifen deklariert und ins Ausland verbracht. Eine Praxis, die mit echter Wiederverwertung wenig zu tun hat. ZARE-Partner berichten regelmäßig von solchen Vorgängen. Die fehlenden Reifenmengen fehlen nicht nur im Recyclingprozess, sie fördern auch illegale Entsorgungsstrukturen, die weder transparent noch kontrollierbar sind. Die wirtschaftlichen Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich: „Die Fehlmenge stellt eine erhebliche Bedrohung unseres Geschäfts dar“, erklärt Osman Dede, Betriebsleiter von CVS Reifen GmbH und Partner der Initiative ZARE. „Da sich unter den fehlenden Mengen oft Reifen befinden, die in gutem Zustand sind und verwertet werden könnten, steigt der Schrottanteil unter den verbliebenen Altreifen drastisch. Gleichzeitig sinken die Umsätze im legalen Exportgeschäft, was viele Unternehmen in Richtung der roten Zahlen drängt.“ Auch Danninger OHG Spezialtransporte, ein weiterer ZARE-Partner, beobachtet die Auswirkungen im operativen Alltag: „Wir spüren einen enormen Preisdruck, da viele Kunden auf vermeintlich günstigere, aber intransparente Entsorgungswege setzen. Nachhaltigkeit und ordnungsgemäße Verwertung bleiben dabei häufig auf der Strecke,“ so Geschäftsführer Reinhard Danninger sen.
Illegale Exporte und fehlende Nachweispflichten verschärfen das Problem
Die genannten Mengen gelangen auf oft dubiosen Wegen ins Ausland, ohne nachvollziehbare Dokumentation. Osman Dede berichtet: „Wildentsorger, die weder offizielle Rechnungen noch Zollanmeldungen oder Entsorgungsnachweise vorlegen, sammeln die besten Reifen direkt bei Autohäusern oder Kfz-Werkstätten ein. Sie lagern diese bis zur vollständigen Lkw-Ladung oder verbringen sie mit Kleintransportern ins europäische Ausland, meist völlig unkontrolliert. Das verursacht nicht nur hohe wirtschaftliche Schäden in der Entsorgungsbranche, sondern dem Staat auch Verluste durch nicht vereinnahmte Steuern.“
Um diese Missstände künftig zu verhindern, fordert ZARE seit über zwei Jahren eine bundesweite Altreifenverordnung, die klar regelt:
„Wir benötigen dringend eine einfache Mengenerfassung (ähnlich wie es andere europäische Länder auch regeln) aller an der Entsorgung beteiligten Akteure, in einem zentralen Melderegister“, so Reinhard Danninger sen. Auch Osman Dede betont: „Reifenentsorgung darf nur durch zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe erfolgen. Jeder Altreifen, der entsorgt wird, muss erfasst und den nachhaltigen Verwertungswegen zugeführt werden. Zertifizierte Altreifenentsorger leisten das bereits heute. Seit Jahren setzen wir uns gemeinsam mit der ZARE-Initiative dafür ein.“
ZARE appelliert an Verbraucher, Kfz-Werkstätten, Reifenhändler und Autohäuser, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Die Wahl des richtigen Entsorgungsweges entscheidet mit darüber, ob Reifen am Ende des Produktlebens umweltgerecht verwertet oder auf fragwürdigen Wegen ins Ausland verbracht werden. „Zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe garantieren eine transparente, dokumentierte und rechtssichere Weiterverarbeitung. Sei es durch Runderneuerung oder mechanisches Recycling“, betont Christina Guth, Netzwerkkoordinatorin der Initiative ZARE.
www.zertifizierte-altreifenentsorger.de/die-initiative-zare/
Grafik: wdk Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie e.V.